Pubertät heute – was brauchen Jugendliche?
Dorothea Steinlechner‐Oberläuter
Jugendliche: Sie sind cool und verletzbar; mutig und verzagt; zielorientiert und verunsichert; selbstsicher und irritiert; lebensfroh und melancholisch; rebellisch und angepasst. Die Entwicklungsphase der Pubertät und Adoleszenz ist gekennzeichnet durch manch verwirrende Gefühlslage und durch charakteristische Entwicklungsaufgaben: Es geht darum, einen Platz in der Gesellschaft zu finden und gleichzeitig die eigene Subjektivität und Identität als Mann oder als Frau zu entwickeln und zu behaupten. Die Spannung zwischen Individuum und Gesellschaft bekommt auch heute in der Adoleszenz eine brisante Neuauflage, wo sich bisher gefundene Lösungen und Kompromissbildungen noch einmal neu ordnen und verändern lassen. Dies kann von Jugendlichen als Chance oder als Krise wahrgenommen und gelebt werden.
Die meisten Jugendlichen bekommen von zu Hause eine ausreichend gute emotionale Basis für ihren Lebensweg mit: Urvertrauen, Vertrauen in die Tragfähigkeit von Beziehungen, ein stabiles Selbstwertgefühl und die Vorstellung von Selbstwirksamkeit. Die Aufgabe der Adoleszenz ist es nun, diese Basis in konkrete Lebensentwürfe überzuführen, die sich auch an der Realität bewähren können.
Die teilweise rasanten gesellschaftlichen Veränderungen haben aber auch neue Ausdrucksformen, Spielräume und Risikobereiche jugendlicher Lebenswelten hervorgebracht, und es stellt sich die Frage: Was brauchen diese Teens nun von der Erwachsenenwelt, der Pädagogik, den gesellschaftlichen Institutionen, um diese eigentlich ganz normale Entwicklungskrise ohne Koma‐Saufen, Perspektivelosigkeit, Selbst‐ und Fremdaggression, Depression oder Mediensucht zu bewältigen?
Die Antwort ist einfach: Sie brauchen das Gleiche wie die Jahre zuvor, nur brauchen sie es dringlicher und zusätzlich von Personen außerhalb der Kernfamilie. Sie brauchen Räume für die Mitgestaltung ihrer Welt und sie brauchen die Präsenz von ihnen zugewandten Erwachsenen, die Auseinandersetzung und Reibung nicht scheuen und dem oder der Jugendlichen ein spürbares, respektvolles Gegenüber mit Ecken und Kanten bieten. Das gilt besonders für jene Jugendliche, die in den Turbulenzen der Pubertät in Lern‐ und/oder Verhaltensschwierigkeiten driften und so auf sich aufmerksam machen.
Schulpartnerschaft bedeutet in diesem Zusammenhang: Ernstnehmen der Sichtweisen aller Beteiligten; Kooperation statt gegeneinander Ausspielen; Lösungsorientierung statt Schuldzuweisung. Eine Laissez‐faire‐Haltung oder eine Polarisierung von Schule und Elternhaus ist nicht hilfreich.
Dabei geht es nicht um Perfektion oder Fehlerlosigkeit der Erziehenden. Es ist die Berührbarkeit, die aktive und menschliche Präsenz von LehrerInnen, ErzieherInnen, Eltern, Lehrherrn, JugendgruppenleiterInnen, die den Jugendlichen wichtige Identifizierungs‐ und Reibungspunkte auf dem Weg in eine selbstbestimmte, auf Ressourcen von sich selbst, anderen und unserem Planeten Bedacht nehmende Zukunft bieten.